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Ein Hoffnungsschimmer in schweren Zeiten

Eine Spende an den Clownsnasen e.V. für die Kinder der ITS in der Uniklinik Leipzig

Vergangene Weihnachten haben wir den Kindern auf der Intensivstation (ITS) der Uniklinik Leipzig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Hierfür spendeten wir 1000 € an den Clownsnasen e.V., um Besuche der Klinikclowns auf der Station zu ermöglichen. Ein halbes Jahr später fragen wir uns: Was konnten wir mit unserer Spende erreichen? Geschäftsführer Michael Bratschke und Klinikclown Frances Baumann alias „Karline Löffel“ beantworteten uns bereitwillig unsere Fragen.

Unsere Spende

Anstelle von Weihnachtskarten und Kundengeschenken spenden wir regelmäßig an den Clownsnasen e.V., ein Verein, der Besuche von Klinikclowns in Krankenhäusern, Hospizen und Altenpflegeheimen fördert und ermöglicht. Die Uniklinik Leipzig gehörte zu den ersten Kliniken, in denen die Clownsnasen anfingen zu spielen. Seit 2003 sind sie dort präsent und bereichern den Alltag der kleinen Patienten mit ihren Besuchen.

Da die Einsätze der Krankenhausclows sehr zeitaufwändig und kostenintensiv sind, finden sie nur in bestimmten Abständen statt. Insgesamt absolviert der Clownsnasen e.V. etwa 500 bis 600 Einsätze pro Jahr. Pro Besuch werden jeweils zwei Clowns eingesetzt, nur im Notfall treten sie auch alleine auf. Dabei verbringen sie meist 2 bis 3 Stunden auf den Stationen. Zusätzlich zu den Einsätzen trainieren Karline Löffel und ihre KollegInnen einmal pro Monat gemeinsam in Leipzig.

Vergangenes Jahr entschieden wir uns für eine Spende zugunsten der Intensivstation der Uniklinik Leipzig. Während die kinderonkologische Station des Krankenhauses bereits einmal pro Woche bespielt wird, finden die Besuche der Intensivstation in größeren Abständen statt. So war es aufgrund der Corona-Beschränkungen zu Beginn des Jahres noch gar nicht möglich, auf der entsprechenden Station schon wieder zu spielen. Auch wenn die Zielstellung ist, diese ein- bis zweimal pro Monat zu besuchen, finden die Besuche der Klinikclowns auf der Intensivstation derzeit nur halb so oft statt.

Abb.: Die Klinikclowns des Clownsnasen e.V.



Die Besuche auf der Intensivstation

Die Klinikclowns sind es gewohnt, dass es auf den Stationen der Krankenhäuser und Kliniken viele Kinder gibt, die mit ihrer Gesundheit zu kämpfen haben. Auf der Intensivstation sind die Umstände jedoch noch dramatischer, den hier geht es allen Kindern schlecht.

Daher ist es bei einem Besuch besonders wichtig mit den Krankenschwestern und Krankenpflegern abzuklären, welche Zimmer betreten werden dürfen. Danach geht es vorsichtig an die erste Kontaktaufnahme. Hierbei achten die Clownsnasen besondern darauf, sich individuell auf die Stimmung jedes einzelnen Zimmers anzupassen. So können sich Karline Löffel und ihre KollegInnen ein genaues Bild davon machen, was das Kind im Moment benötigt: Vielleicht ist es ein offenes Ohr, ein wenig Ablenkung oder einfach nur eine Umarmung. Sind die Kinder eher schüchtern und zurückhaltend, spielen die Clowns einfach mit sich selbst. Eine besondere Situation ist es, wenn die Klinikclowns in ein Zimmer mit Frühchen kommen. Hier treffen sie oftmals auf besorgte Eltern. Ihre Aufgabe besteht dann darin, auf die Eltern einzugehen, ihnen ihre Sorgen zu nehmen und ihnen Mut zu machen.

Auch wenn die Kontakte auf der Intensivstation eher leiser sind als in anderen Einrichtungen, ist es fast greifbar wie sich die Stimmung auf den Zimmern nach einem Besuch der Klinikclowns ändert. Hin und wieder sieht man es sogar direkt an den Spontanreaktionen der Kinder, wie einem Lächeln oder einer Umarmung. Doch auch von den Schwestern oder Eltern hört man viel positives Feedback. “Das hat er schon lange nicht mehr gemacht”, staunen sie dann. Selbst bei Wachkomapatienten lassen sich hin und wieder kleine Reaktionen wie ein Lächeln, Zwinkern oder undeutbare Laute erkennen. Karline freut sich jedes Mal besonders auf das Winken und Tuscheln hinter den Fensterscheiben, wenn sie und ihre KollegInnen die Klinik wieder verlassen.

Abb.: Die Klinikclowns auf der ITS der Uniklinik Leipzig



“Wie ein Anker in schweren Zeiten”

Auch wenn es hin und wieder eine enorme emotionale Belastung sein kann, gehen die Klinikclowns mit Herz und Leidenschaft in ihrer täglichen Arbeit mit den Patienten auf. Aufgrund straffer Zeitpläne in den Kliniken, haben Pfleger kaum Zeit sich individuell die Zeit für jeden einzelnen zu nehmen, wodurch der menschliche Aspekt oft leidet. Vor allem die Kinder auf der ITS und Kinderonkologie sind sehr bedürftig, da sie stark den Kontakt brauchen und suchen. An dieser Stelle kommen die Klinikclowns ins Spiel. Denn genauso wie ihr eigener Alltag in den Einrichtungen von Abwechslung geprägt ist, so wollen auch sie ihnen Abwechslung bieten, Lebensmut spenden und einfach für ihre Sorgen und Nöte da sein. Dennoch gehört es auch zu den Aufgaben der Klinikclowns auch mit auf die Beerdigung zu gehen, wenn ein Kind es nicht schafft.

Frances Baumann beschreibt ihren Job als eine Arbeit, bei der man den ganzen Tag über viel lacht. Zudem bietet ihr die Arbeit als Klinikclown die Möglichkeit , in eine Rolle zu schlüpfen, die eng mit ihrer eigenen Persönlichkeit verwoben ist. Da sie selber Mutter ist, genießt sie es, die kleinen Freudenmomente der Kinder mitzuerleben und Teil ihres Alltages zu sein. Doch es steckt noch viel mehr dahinter. Karline Löffel und ihre KollegInnen möchten nicht nur Spaß und Freude verbreiten, sondern etwas Bleibendes Hinterlassen. Gern erinnert sie sich an eine Patientin des Herzzentrums zurück. Auf der Intensivstation sang sie regelmäßig ein bestimmtes Lied. Zu der Patientin selbst bestand kein direkter Kontakt, da sie im Koma lag und ihr Leben auf Messers' Schneide stand. Eines Tages bekam sie eine Mail, in der die Patientin sich bedankte und erklärte, dass sie in ihrem Zustand immer wieder ein Lied wahrgenommen hätte und das Gefühl hatte, Clowns zu sehen. Dies hat ihr die Kraft gegeben, weiterzukämpfen.

Es sind Geschichten wie diese, die Frances Baumann dazu motivieren, jeden Tag ihr Bestes zu geben. In mittlerweile mehr als 20 Berufsjahren hat sie schon einiges miterlebt. Dennoch ist es für sie jedes Mal eine Besonderheit, wenn sie nach vielen Jahren die “Kinder von damals" wieder trifft und feststellt, dass es ihnen mittlerweile gut geht und die Kinder sie wiedererkennen.

Abb.: Die Klinikclowns bringen Abwechslung in den Alltag & spenden Lebensmut



Eine Lebensaufgabe voller Herausforderungen

Neben den täglichen Herausforderungen, hinterließ auch Corona seine Spuren. Insbesondere in der Anfangszeit waren alle Einrichtungen geschlossen, wodurch für die Klinikclowns 6 Monate lang keine Einsätze stattfinden konnten. Auch Vereinstreffen und Training fanden in dieser Zeit nicht statt. Selbst nach der Pandemie liefen die Einsätze erst langsam wieder an. Das Team der Clownsnasen entwarf verschiedene Konzepte, um auch diejenigen Einrichtungen zu bespielen, in denen noch keine Besucher gestattet waren. So haben die beruflichen Quatschmacher zum Beispiel Online-Visiten durchgeführt, Briefe geschrieben, Überraschungspakete versendet und vor den Fenstern der Einrichtungen gespielt. Rundum war der Alltag der Klinikclowns sehr geprägt vom Auf und Ab der Einschränkungen. Glücklicherweise waren viele Kliniken sehr proaktiv und haben direkt Kontakt aufgenommen, sobald die Möglichkeit eines Besuches bestand. Auch die neuen Konzepte wurden dankbar angenommen. Eine kleine Einrichtung fragte beispielsweise speziell nach einer digitalen Visite. Eine Bitte, der die Klinikclowns gern nachkamen. Dank aktiver Unterstützung bei der Umsetzung vor Ort durch das Klinikpersonal, konnten die Patienten der Einrichtung in 2 Räumen verteilt und mittels digitaler Übertragung von Karline und ihren KollegInnen bespielt werden.

Auch wenn viele Maßnahmen inzwischen wieder gelockert wurden, bestimmen die Folgeregulierungen der Pandemie noch immer den Alltag der Klinikclowns. So hat sich der Zeitaufwand in den Einrichtung mit Einführung der Testpflicht spürbar erhöht. Zu den aktuellen Regeln gehört auch, dass nur geimpfte Clowns die Einrichtungen betreten dürfen. Das sorgt dafür, dass momentan zwei Mitarbeiter nicht mehr spielen können. Auch die Maskenpflicht trägt zusätzlich Schutz der Patienten bei. Doch auch wenn das Tragen einer Maske definitiv gerechtfertigt ist, so lassen Kittel und Mundschutz im Krankenhaus eine Verständigung mittels Mimik kaum zu. Als schwierig gestalteten sich gleichsam die langen Ausfälle der Klinikclowns, wenn diese selbst an Corona erkranken. Nichtsdestotrotz lässt sich sagen, dass die Kinder auf der ITS die Ablenkung herbeigesehnt haben. Neben altbekannten Gesichtern, durften die Klinikclowns nach langer Zeit auch viele neue Kinder in der Uniklinik Leipzig begrüßen.

Doch auch der Alltag von Karline Löffel ist voller Herausforderungen. Sie beschreibt insbesondere die emotionale Ebene, da es ihr oftmals schwer fällt, Distanz zu den Schicksalen der Kinder zu wahren. Besonders nah geht es ihr, wenn sie Säuglinge alleine auf der ITS erlebt. Manchmal geraten sie und ihre KollegInnen auch in Situationen, in denen Kinder ihnen ganz unerwartet ihr Herz ausschütten. Dabei vertrauen sie ihnen Sorgen und Probleme an, die sie teilweise nicht einmal ihren Psychologen offenbaren. Ebenso spielt der Umgang mit dem Tod bei Kindern auf der ITS eine bedeutende Rolle. Oft verarbeiten Betroffene, meist krebskranke Kinder, ihre Gefühle dazu spielerisch. So endet dsnn die Zeit mit den Klinikclowns nicht mit einem Regenbogen, der Hoffnung macht, sondern mit einer bösen, schwarzen Spinne, die dem Kind keine Luft zum Atmen lässt.

Abb.: Eine Balance zwischen Einfühlungsvermögen & emotionaler Distanz zu den individuellen Schicksalen



Ein Blick in die Zukunft

Selbst wenn es nicht immer leicht ist, so widmen die Klinikclowns ihre gesamte Energie ihrer Lebensaufgabe. Dazu gehört neben dem permanenten Anpassen an die Rahmenbedingungen auch die regelmäßige Teilnahme an Trainings und Workshops zu unterschiedlichen psychologischen Aspekten. Doch auch Improvisation gehört zum Arbeitsalltag des Clownsnasen e.V. und entsprechend wird das Programm der Klinikclowns gern auch spontan an die jeweilige Situation angepasst.

Seit der Gründung hat sich der Verein in den vergangenen Jahren immer wieder erweitert und ist und neue Projekte angegangen. Aktuell besucht das Team vor allem Stammeinrichtungen, in denen es regelmäßig spielt. Aber auch neue Einrichtungen - wie z.B. das Klinikum Leisnig - werden auf Anfrage gern besucht. Dabei können nicht alle Anfragen immer direkt bearbeitet werden. Wie vielerorts, hat der Verein mit Personalmangel zu kämpfen hat. Um sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, werden aktuell 3 neue Clowns eingearbeitet, die nach ca. 6 Monaten Training und Prüfung für zukünftige Projekte eingesetzt werden können. Sogar ein neues Vereinsfahrzeug hat sich der Clownsnasen e.V. zugelegt. Das Ziel: Auch weiter entfernte Einrichtungen wie in Erfurt, Halberstadt oder Aschersleben sollen unkomplizierter erreicht werden können. Nichtsdestotrotz liegt der Fokus weiterhin auf Projekten im Umland. In Zusammenarbeit mit dem Dachverband werden zudem hybride Angebotsmodelle - beispielsweise Online-Visiten - entwickelt, um künftig noch mehr Patienten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Wollen auch Sie etwas Gutes tun und die Klinikclowns in Ihrem Bestreben unterstützen? Dann helfen Sie mit einer kleinen Spende den Kindern eine Ablenkung vom Krankenhausalltag zu ermöglichen.